Acht Jahrzehnte Nürburgring
Racing, Training, EntertainmentMotorsport-Events der Spitzenklasse, Freizeitgestaltung rund um Mobilität und Motoren, Spaß und Edutainment für jedes Alter – was 1927 als Austragungsort für Autorennen eröffnet wurde, bietet längst Spaß an 365 Tagen im Jahr
Graf Ulrich hätte sich im 12. Jahrhundert wohl nicht träumen lassen, dass am Fuße seiner altehrwürdigen Nürburg einmal die Königin der Rennstrecken Menschen aus aller Herren Länder anziehen würde. Schon bald nach der Eröffnung, am 18. Mai 1927 wurde klar, welche wirtschaftliche Kraft diese frühe Form der Freizeitindustrie in der gesamten Region entfalten würde. Aus Gaststätten mit Fremdenzimmern wurden Hotels, aus Kuhweiden Parkflächen, die Rennen zum Segen einer Region, die zu den ärmsten Deutschlands gehörte. Acht Jahrzehnte sind seither vergangen, in denen der Nürburgring Geschichte und Geschichten schrieb, viele Generationen von Rennfahrern und Rennfans in seinen Bann zog und nicht zuletzt zum wirtschaftlichen Motor der Eifel wurde.
30er Jahre –
Wirtschaftskrise und Silberpfeile, Rundenrekorde und PanzerkettenNach der Eröffnung des Nürburgrings mitten in der weltweiten Wirtschaftskrise meldete die Rennstrecke spätestens mit dem Beginn der legendären Silberpfeil-Ära ab immer neue Rekordzuschauerzahlen. 1934 - das Geburtsjahr der Silberpfeile, die ihre Premiere am Ring feierten. So hat das Mercedes-Team im Frühjahr 1934 in der Nacht vor dem Rennen eigenhändig den Lack von ihrem W25-Rennwagen abgekratzt, um das Gewichtslimit von 750 Kilogramm einzuhalten. Das silbrig glänzende Aluminium der blanken Karosserie gab dem Auto dann seinen Namen. Längst hatte sich der Nürburgring derweil als die beliebteste deutsche Rennstrecke etabliert, beim Eifelrennen 1939 stellt Hermann Lang mit seinem Zwölfzylinder-Mercedes mit 9:52 Minuten einen Rundenrekord auf, der bis 1956 ungeschlagen bleiben wird. Rudolf Caracciola gewinnt wieder einmal den Großen Preis von Deutschland. Der vorerst letzte Sieg auf dem Ring. Im Zweiten Weltkrieg bleibt kein Raum für den Motorsport – das Sporthotel an der Tribüne wird zum Notlager und Lazarett, die Rennstrecke in den letzten Kriegsmonaten durch Panzer schwer beschädigt.
40er und 50er –
Wirtschaftswunder, Massen und MotorenDoch der Ring sollte noch eine Chance bekommen. Bereits kurz nach Kriegsende beginnt der Wiederaufbau und schon 1947 startet mit dem „Eifel-Pokal-Rennen“ eine neue Nürburgring- Ära. Der Eintrittspreis damals: fünf Reichsmark – inkl. Verzehrbon für Wein, Wurst und Brot. Vier Jahre später, im Jahr 1951, die erste Formel-1-Weltmeisterschaft - der Ring wird wieder international. Beim Großen Preis von Europa, 1954, werden mehr als 400.000 Zuschauer geschätzt. Juan Manuel Fangio siegt und wird zum Motorsport-Idol der Fünfzigerjahre. Er gewinnt vier Jahre in Folge den Großen Preis von Europa.
Die wilden 60er –
Gentlemen und Grüne HölleDie Sechzigerjahre haben ihr eigenes Idol. Wolfgang Graf Berghe von Trips ist der neue Publikumsmagnet, der 1961 um den Großen Preis von Deutschland kämpft. Wirtschaftswunderzeit – da gehört der Motorsport zum neuen Selbstbewusstsein einer ganzen Nation. Begleitet von einem für damalige Zeiten gewaltigen Medienrummel fiebern 1961 über 100.000 Zuschauer mit dem Gentlemen-Racer. Graf Berghe von Trips verliert gegen den an diesem Tag unschlagbar scheinenden Stirling Moss. Seiner Popularität tut das keinen Abbruch.
1969 – neue populäre Fahrer wie der Belgier Jackie Ickx sorgen für Massenbesuche bei den Motorsportveranstaltungen. Autorennen sind beliebter denn je – die Fahrer werden zu Popstars. Höhepunkt des Jahres ist der Große Preis von Deutschland, den Jackie Ickx für sich entscheidet. An diesem Tag ahnt keiner, dass die Nordschleife als Grand-Prix-Strecke in Frage gestellt werden könnte. Doch bereits ein Jahr später ist es soweit: Nach einer Serie schwerer Unfälle im GP-Sport fordern mehrere Fahrer eine umfangreiche Umgestaltung der Grünen Hölle, wie die Strecke ehrfurchtsvoll von den Fahrern genannt wird.
70er- und 80er-Jahre –
Ende mit Schrecken, Neuanfang mit Grand Prix17 Millionen Mark lassen sich die Nürburgring-Verantwortlichen die Umbaumaßnahmen kosten – die Strecke bekommt Seitenstreifen, Fangzäune und Leitplanken. Und 1971 wieder einen Grand Prix. Über 130.000 Zuschauer umjubeln den Sieger Jackie Stewart. Doch der hohe Anspruch, den die Nordschleife an die Fahrer stellt, bleibt weiterhin ein Thema. Als am 1. August 1976 Niki Lauda schwer verunglückt, kommt das Aus. Der Nürburgring verliert erneut seine Formel-1-Zulassung – auf McLaren Ford gewinnt der Brite James Hunt das letzte Formel-1-Rennen auf der Nordschleife.
Der Aufsichtsrat beschließt den Bau einer neuen, kürzeren und moderneren Rennstrecke. Nach zähen Verhandlungen und nicht zuletzt dank der Bewegung „Rettet den Nürburgring“ setzt der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel am 30. November 1981 den ersten Spatenstich. Drei Jahre später, am 12. Mai 1984, wird die neue 4,542 Kilometer lange Strecke mit einem großen Programm aus Show und Motorsport eröffnet. Am 7. Oktober 1985 dann das erste Formel-1-Rennen auf der neuen Strecke. Der Sieger: Michele Alboreto auf Ferrari. Als weitere Premiere zieht das Musikspektakel Rock am Ring erstmals neue Besucherströme in die Eifel. Ein Jahr später findet der erste Truck-Grand-Prix des ADAC statt – ein Überraschungserfolg, der sich zu einer der tragenden Säulen des Veranstaltungsprogramms entwickeln wird.
90er –
Schumi kommt und mit ihm neue ZuschauermassenDie Neunzigerjahre stehen ganz im Zeichen der Umorientierung. Der Motorsport bleibt weiterhin tragende Säule am Ring, der Nürburgring erhält jedoch eine noch stärkere Leitfunktion für Wirtschaftsentwicklung und Fremdenverkehr. Und einen neuen Star. Am 1. Oktober 1995 gewann Michael Schumacher als erster deutscher Fahrer auf dem Nürburgring einen Lauf zur Formel-1-WM – das Publikum jubelte ihm u.a. von der bis dato modernsten Tribüne der Welt zu. Ca. 5.000 Zuschauer finden auf den Sitzen der Mercedes-Tribüne Platz. Zusätzlich sind 2 Vip-Areale integriert. Und auch in Sachen Umwelt ist der Nürburgring Vorreiter. Bereits 1996 wurde ein fortschrittliches Umweltmanagementsystem aufgebaut – der Nürburgring erhält die Zertifizierung nach der EG-Öko-Audit-Verordnung. Ein Jahr später – 1997 – wird das neue hochmoderne Medical Center eingeweiht. Es sollen im Jahr 1998 weitere Neubauten folgen: Die neue Nordschleifenzufahrt wird eröffnet, die BILSTEIN-Tribüne umfangreich umgebaut und die erste permanente Videowand an einer Rennstrecke eingeweiht. Wieder steht der Nürburgring in der Pole-Position. Der Indoor-Freizeitpark Erlebnis-Welt Nürburgring erschließt neue Besucherpotenziale – feierliche Eröffnung im Mai 1998. 1999 wird eine hochmoderne Kläranlage gebaut – auch dafür erhält der Nürburgring noch im selben Jahr den Umweltpreis „Environment
Award 1999“.
Das neue Jahrtausend –
mit Vollgas in die ZukunftIm neuen Jahrtausend wird weiter Gas gegeben. Das alte Start- und Zielhaus, das alte Boxengebäude und der Conti-Turm fallen im Jahr 2000. Bis zum Großen Preis von Europa 2001 entstehen dafür drei weitere Super-VIP-Loungen und ein hochmodernes neues Start- und Zielhaus. Das neue FUJI digital Media Center mit modernster Technik bietet Journalisten und Fotografen perfekte Arbeitsbedingungen auf über 1.650 qm Platz.
„Lange bevor ich auf meinen Europareisen zum ersten Mal etwas vom Kölner Dom hörte, lange bevor ich wusste, wie gut Sauerkraut und bayerisches Bier schmecken, kannte ich die Zahl der Nürburgringkurven, waren Karussell und Schwalbenschwanz vertraute Begriffe, auch wenn ich sonst kein Wort Deutsch sprach.“ Stellvertretend für viele seiner Kollegen und Motorsport-Fans überall auf der Welt, beschreiben diese Worte des australischen Rennfahrers Alan Hamilton die Ausstrahlung von Europas traditions- und erfolgreichster Rennstrecke.
Aus der Rennstrecke ist eine eigene Marke gewachsen – mit einer Bekanntheit von deutschlandweit über 90 Prozent. Heute kommen längst nicht mehr nur Fans von Motorsport-Events der Spitzenklasse am Nürburgring auf ihre Kosten. Mit einem Mix aus jährlich über 300 Rennsport-, Freizeit- und Incentive-Veranstaltungen bietet der Nürburgring Freizeitspaß und Edutainment für ganz unterschiedliche Besucher- und Interessensgruppen. Die Erlebnis-Welt Nürburgring macht auf über 10.000 qm Motorsport, Mobilität und den Mythos Nürburgring für die ganze Familie erlebbar. Jährlich pilgern zehntausende Rockfans zu Rock am Ring, in der Kart-Erlebniswelt locken Spaß und Action, in der BikeWorld Information und Unterhaltung rund um zwei Räder. Künftige Champions werden in der Zakspeed Nürburgring Rennfahrerschule geschult, künftige „Besserfahrer“ im Fahrsicherheitszentrum. Die Fahrt im eigenen PKW durch die „Grüne Hölle“ ist ein Erlebnis für jede Generation.
Apropos grün: Zum wiederholten Male wurde Nürburg auch 2005 wieder als Luftkurort ausgezeichnet - verschiedene Fahrrad-Touren und Rundwanderwege bieten in der Umgebung der Rennstrecke Sport-Spaß für jedes Alter und machen die Vergangenheit der Eifel lebendig. Ein Blick auf die Besucherbilanz zeigt, dass sich das Engagement lohnt: Schon heute ist der Nürburgring eine der attraktivsten Sport- und Freizeiteinrichtungen Deutschlands: Rund 2 Millionen Menschen besuchen die zahlreichen Veranstaltungen oder nutzen die Freizeitmöglichkeiten rund um den Nürburgring. Tendenz steigend. Schließlich soll das Angebot in den nächsten Jahren gestärkt und der Nürburgring zu einem führenden Freizeit- und Businesszentrum ausgebaut – der sog. "Nürburgring 2009".
Neben verschiedenen Bausteinen wie etwa einer großen Indoor-Attraction, einem Motorsportdorf, einem neuen Hotel und Markenwelten der Fahrzeug- und Zubehörindustrie wird eine rund 4.000 qm große Arena entstehen. Direkt am sogenannten Boulevard – Hauptachse der "Nürburgring 2009" - wird mit dieser Arena eine wichtige Plattform für Zuschauerveranstaltungen wie z.B. Motocross-Events, Indoor-Trial oder auch Konzerten entstehen. 4.500 überdachte Sitzplätze und eine direkte Anbindung zu einer weiteren Eventhalle mit ebenfalls 4.000 qm bespielbarer Fläche bieten hier Realisationsmöglichkeiten für die unterschiedlichsten Veranstaltungen.
Direkt an der Start- und Zielgeraden entsteht nach dem Abriss der Haupttribüne eine hochmoderne überdachte Business-Tribüne mit 5.000 Sitzplätzen. Die Business-Tribüne beherbergt im oberen Teil einen Loungebereich für bis zu 600 Personen, in dem sowohl Hospitality- und VIP-Arrangements bei Großveranstaltungen wie auch maßgeschneiderte Incentives realisiert werden können. Im Herbst 2007 wird Baubeginn sein, die Eröffnung der "Nürburgring 2009" ist 2009 geplant.
Den besten Blick auf die Bauarbeiten hat man dabei übrigens vom Turm der Nürburg – Graf Ulrich würde sich freuen.
































